Seelsorge bei Menschen mit Behinderung
inklusiv und familienorientiert


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  Tipps für „Taizé all inclusive“

Die Gemeinschaft von Taizé schafft eine Atmosphäre in der sich viele Menschen wohl fühlen, ganz unabhängig davon ob es Menschen mit oder ohne Behinderung sind. Vor allem die Gottesdienste strahlen mit ihren „einfachen“ Liedern eine große Ruhe, Würde und Spiritualität  aus. Eine junge Frau beschreibt dies für sich so : „Taizé gibt die Möglichkeit in mir selbst sein zu können".  

Immer wieder lenken die Brüder die Aufmerksamkeit darauf, dass bei Jesus jeder Mensch wertvoll und wichtig ist. Danach versuchen sie auch das Leben in und mit ihrer Gemeinschaft  auszurichten . Ganz konkret bedeutet dies:

 

·    Für die Bedürfnisse und Anliegen von Menschen mit einer Behinderung gibt es in Taizé eine große Offenheit. Die Gemeinschaft versucht Wege zu finden, dass alle nach Taizé kommen können.

·    In Taizé gibt es Unterkünfte und sanitäre Einrichtungen, die nach den Bedürfnissen von Menschen mit einer Behinderung ausgerichtet sind.

·    Die Kirche ist für Rollstuhlfahrer in weiten Teilen zugänglich.

Es gibt aber auch Dinge, die es deutlich erschweren mit einer Behinderung in Taizé unterwegs zu sein:  

·     Viele Wege sind in Taizé nicht geteert und sehr holprig. Den naheliegenden Park der Gemeinschaft (Ort der Ruhe und Stille) ist für Rollstuhlfahrer nur äußert schwer zugängig.

·     Für blinde Menschen gibt es keine besonderen Hilfsmittel.

·    Zu den kirchlichen Hochfesten und im August sind zudem viele Menschen dort, sodass es schwierig wird, eine geeignete Unterkunft zu finden.

·    Die sanitären Anlagen entsprechen nicht immer den hygienischen Anforderungen. Hier ist ein gutes Augenmerk gefordert, bei den Personen, die eine Assistenz übernehmen. Es ist sinnvoll zur  Sicherheit Einmalputztücher dabei zu haben.


   10 Tipps für inklusive (integrative) Fahrten nach Taizé

-    Sich im Vorfeld beraten lassen durch Personen, die Erfahrung im Bereich der Behindertenarbeit haben und/oder eine Fortbildung im Bereich der Inklussionsassistenz besuchen.

    Klären aus welchen Bereich zusätzliche finanzielle Mittel kommen, die diese Initiative unterstützen.

    Bei der Ausschreibung der Fahrt nach Taizé Menschen mit einer Behinderung aus der Gemeinde in den Blick nehmen. Sie persönlich ansprechen und ihnen Mut machen mitzukommen.

-    Rechtzeitig mit der Gemeinschaft von Taizé klären, ob den Bedürfnissen des Teilnehmenden mit einer Behinderung vor Ort auch entsprochen werden kann. Im Zweifelfalle erst einmal nach Taizé fahren um die Gegebenheiten vor Ort persönlich kennen zu lernen.

-    Personen gewinnen, die die Assistenz von Menschen mit einer Behinderung übernehmen. Nach Möglichkeit diese Tätigkeit auch finanziell honorieren (z.B. reduzierte Teilnehmerbeitrag, Übernahme der Kosten zu einer Fortbildung, Ausstellen einer Bescheinigung über die ehrenamtliche Tätigkeit)

-    Personen, die Assistenz übernehmen sollten Taizé mit seinen Abläufen und Arbeitsbereichen kennen. Ihre Aufgabe ist es in erster Linie dann, Menschen mit einer Behinderung Taizé erlebbar zu machen.

-    Im Vorfeld der Fahrt, sollten sich die Menschen mit einer Behinderung und ihre Assistenten treffen und über ihre Wünsche, Bedürfnisse und Befürchtungen ins Gespräch kommen. Wenn die Assistenz für einen Behinderten mehre Personen wahrnehmen (was in der Regel sinnvoll ist), muss auch miteinander konkret besprochen werden, wie die Assistenz aufgeteilt wird.

-    Ein heikles Thema ist und bleibt die Abfrage wichtiger medizinischer Informationen zu der Behinderung. Zum einen ist die Privatsphäre zu achten zum anderen sind aber vor allem im Notfall bestimmte Informationen unablässig (z.B. verhalten bei Krampfanfällen, regelmäßig zu verabreichende Medikamente, Telefonnummern von Verwandten) Für die Anmeldung in Taizé sind in der Regel auch Informationen zu der Behinderungsart der Teilnehmenden wichtig.

-     Personen, die Assistenz übernehmen sollten dafür eintreten, dass Menschen mit einer Behinderung auch in einem geeigneten Bereich in Taizé mitarbeiten können. Viele Menschen mit einer Behinderung haben in diesem Bereich ihre besonderen Stärken. Auch wenn Menschen mit einer Behinderung dann nicht immer das erwartete Tempo und die Genauigkeit der Aufgabe erfüllen können, sollte dies nicht unbedingt ein Ausschlussgrund für eine bestimmte Tätigkeit sein. Vielmehr gilt es danach die Assistenz auszurichten. Da es in Taizé viele helfende Hände gibt, wäre deshalb zu überlegen, ob ein Mensch mit einer Behinderung nicht zwei Assistenten zur Seite gestellt bekommen kann (z.B. beim sortieren von Liederbüchern und Liedblättern). Dabei ist dann unbedingt erforderlich, dass in den Arbeitsgruppen der Sinn dieser Maßnahme auch deutlich wird. (Es sind mehr Menschen als regulär in einer Gruppe, damit alle arbeiten können, in dem Tempo was ihnen eigen ist und  ohne dass die dadurch Gruppe länger braucht).

-    Vorbild für eine gelungenen Inklusion könnten italienische oder spanische Gruppen sein. Oft reist in diesen Gruppen auch ein Mensch mit einer Behinderung mit. Eine solche Gruppe ist oft sehr gut in der Lage, den besonderen Bedürfnissen eines Menschen mit einer Behinderung zu entsprechen. Bei soviel gebündelter Kraft und Kompetenz, ist es auch kein Problem mehr, den Park der Gemeinschaft mit all seinen Hindernissen zu befahren. So wird dann auch der Bibelspruch „Mit meinem Gott überspringe ich Mauern“ (Psalm 18,30) ganz konkret erfahrbar.


RS 2011